Factoring vs. klassischer Kredit: Was eignet sich besser für den Mittelstand?

Unternehmer stehen vor der Aufgabe, die Kosten für das Tagesgeschäft zu decken, Aufträge vorzufinanzieren, Wachstum zu realisieren oder in turbulenten Zeiten den Geschäftsbetrieb stabil zu halten. Es kann auch mal nötig sein, Flauten und saisonale Schwankungen auszugleichen. Sollte die Finanzierung all dessen über einen klassischen Bankkredit oder eine Alternative wie Factoring erfolgen? Welche Option bietet mehr Vorteile?

Der Jahresendumfrage des Bundesverbandes Factoring für den Mittelstand (BFM) unter seinen Mitgliedern zufolge, ist das Geschäft in der Branche zuletzt um sechs Prozent gewachsen. Und auch für 2025 erwarten 81 Prozent der Gesellschaften ein weiter wachsendes Neukundengeschäft. Die Finanzierung über Bankkredite hingegen gerät immer mehr ins Stocken: Laut der aktuellen KfW-ifo-Kredithürde beklagen 32 Prozent der mittelständischen Unternehmen, die Interesse an einer Kreditaufnahme hatten, ein restriktives Verhalten der Banken. Das ist ein Höchststand in der Befragung seit 2017. Durch verschärfte Regularien im Zuge der Bankenkrise haben Kreditinstitute ihre Vergabepolitik ohnehin gestrafft. Durch die angespannte Gesamtwirtschaft sind viele Häuser noch einmal restriktiver geworden: achten stärker auf die Bonität von Unternehmen und schließen riskante Branchen teils generell von der Kreditvergabe aus.

Schon allein aus Gründen der Verfügbarkeit, sind KMU immer mehr auf alternative Finanzierungsmodelle wie Factoring angewiesen. Doch welche Aspekte sprechen noch für die Finanzierungsart?

Factoring: Liquidität ohne Schulden

Der klassische Hausbankkredit verschafft Unternehmen zusätzliche finanzielle Mittel. Das ist gerade bei größeren Neuanschaffungen oder langfristigen Investitionen sinnvoll. Allerdings wird dafür auch eine langfristige Verbindlichkeit in Kauf genommen. Der Fremdkapitaldienst muss oft auf Jahre in die Finanzplanung aufgenommen werden. Factoring hingegen erzeugt sofortige Liquidität direkt aus den Umsätzen und verursacht damit keine dauerhaften Schulden beim Unternehmen: Dazu werden offene Forderungen direkt an einen Factoring-Partner wie adesion verkauft. So erhält ein Betrieb innerhalb von 24 Stunden bis zu 90 Prozent des Brutto-Rechnungsbetrags ausgezahlt. Das bedeutet zudem: Unabhängigkeit von langen Zahlungszielen und kein Risiko von Forderungsausfällen. Ein zusätzlicher Vorteil: Für einen Bankkredit werden oft Sicherheiten verlangt, die beim Factoring nicht nötig sind.

Factoring verbessert das Risikomanagement

Echtes Factoring verschafft nicht nur freie Mittel, sondern verbessert auch das Management von Gefahren für das Geschäft. Mit dem Ankauf einer Forderung übernimmt der Factoring-Anbieter das komplette Ausfallrisiko. Sollte ein Kunde des Factoring-Nutzers nicht zahlen, erhält das Unternehmen dennoch den vollen Rechnungsbetrag ausgezahlt. Dazu hat der Finanzierungspartner eine sogenannte Warenkreditversicherung abgeschlossen. Ein klassischer Kredit bietet diesen Schutz nicht – Unternehmen tragen hier selbst das volle Risiko.

Unterstützung in der Verwaltung

Beim Factoring entfällt auf Wunsch auch das Forderungsmanagement. Der Anbieter übernimmt in der Full-Service-Variante dabei das gesamte Management der Forderungen und Schuldner mitsamt Mahnwesen und bei Bedarf auch Inkasso. Dadurch sparen Unternehmen Zeit und personelle Ressourcen, die stattdessen fokussiert im Kerngeschäft eingesetzt werden können. Damit geht Factoring als Dienstleistung deutlich über die Funktion einer reinen Finanzierung hinaus – ein weiterer Unterschied zum klassischen Hausbank-Kredit, der keine vergleichbare Leistung bietet. Im Gegenteil: Durch regelmäßige Berichtspflichten wird der administrative Aufwand eher noch erhöht. Demgegenüber prüft der Factor fortlaufend und selbständig die Bonität des Unternehmens und seiner Kunden.

Zusatzeffekt: Factoring verbessert die Bonität

Bankkredite werden als Verbindlichkeiten in der Bilanz geführt. Diese Schulden verschlechtern in der Regel die Eigenkapitalquote eines Unternehmens. Factoring hingegen verbessert die Bilanzstruktur, da es auf den Umsätzen des Betriebs basiert. Die Forderungen werden verkauft, die Bilanz verkürzt sich, die Eigenkapitalquote wird optimiert. Gut zu wissen: Die verbesserte Eigenkapitalsituation führt zu besseren Ratings bei Banken und damit meist zu besseren Kreditaussichten. Factoring und Bankkredit können sich somit auch hervorragend ergänzen.

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Quellen: https://www.bundesverband-factoring.de/kontakt/presse/pressemitteilungen/stark-auch-in-der-krise-warum-factoring-trotz-steigender-insolvenzen-auf-wachstumskurs-ist

https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen-Details_834560.html