Factoring behauptet sich trotz schwierigem Umfeld – oder gerade deswegen

Die schwache Konjunktur und steigende Insolvenzen prägen derzeit die wirtschaftliche Lage. Eine aktuelle Umfrage des Bundesverbands Factoring für den Mittelstand (BFM) zeigt jedoch: Der Wachstumskurs der Branche hält an. Das mag auf den ersten Blick verwundern, bei genauerem Hinsehen wird allerdings deutlich – Factoring ist ein Tool der Stunde.

Die Jahresendumfrage 2025* des Bundesverbands Factoring für den Mittelstand e. V. (BFM) zeigt, dass sich das Branchenwachstum im Jahresverlauf intensiviert hat. Während das Plus im ersten Halbjahr noch dezent ausfiel, legte das Geschäft in der zweiten Jahreshälfte wieder klar zu und überschritt die Marke von vier Prozent. Der Verband sieht darin ein mögliches Zeichen für ein Durchschreiten der Talsohle, auch wenn belastbare Rückschlüsse erst in den kommenden Monaten möglich sind.

Warum Neukunden das Factoring-Geschäft vorantreiben

Ein zentrales Ergebnis der Umfrage ist der optimistische Blick nach vorn. Keine der befragten Gesellschaften rechnet mit rückläufigen Geschäften. Rund 80 Prozent erwarten stattdessen weiteres Wachstum, das nahezu vollständig aus dem Neukundensegment resultiert. Gerade Mittelständler suchen angesichts flauer Konjunktur und restriktiver Banken nach Möglichkeiten, um den Liquiditätszufluss zu sichern und Risiken zu begrenzen. Factoring bietet hier einen entsprechenden Ansatz: Umsätze werden zeitnah vorfinanziert, während das Risiko eines Forderungsausfalls beim echten Factoring an den Finanzierungspartner ausgelagert wird. Das treibt derzeit offensichtlich die Nachfrage an.

Beim Bestandskundengeschäft überwiegt dagegen Zurückhaltung: Fast zwei Drittel der befragten Institute gehen hier von einem Stillstand aus. Viele Unternehmen agieren vorsichtig, haben mit Auftragsrückgängen zu kämpfen und investieren konservativ bis gar nicht.

Insolvenzen verändern den Risiko-Fokus

Trotz positiver Geschäftserwartungen bleiben die Rahmenbedingungen allerdings anspruchsvoll. Annähernd 79 Prozent der befragten Institute sehen steigende Insolvenzen als zentrale Herausforderung. Diese werden jedoch häufiger auf der Seite der Kundeskunden, der Debitoren, verortet. Hier sehen 58 Prozent Risiken, bei den eigenen Factoring-Kunden nur 47 Prozent.

Für Factoring-Anbieter bedeutet das strengere Prüfprozesse und ein noch stärkeres Augenmerk auf Absicherung. Für Unternehmen steigt zugleich der Wert von Finanzierungsmodellen, die nicht nur Liquidität liefern, sondern auch das Risikomanagement verbessern.

Digitalisierung und Abwehr von Factoring-Betrug als Hauptaufgaben

Neben Insolvenzen rücken technologische und Security-Themen weiter in den Fokus. Die Sorge vor Factoring-Betrug erreicht mit fast 79 Prozent einen neuen Höchststand. Auch Cyberkriminalität und die fortschreitende Digitalisierung werden als wesentliche Aufgaben der kommenden beiden Jahre gesehen. Rund 53 Prozent der Befragten nennen die Prävention von Cybercrime, knapp 79 Prozent die weitere Digitalisierung als größte To-dos.

Regulatorische Vorgaben zur IT-Sicherheit sollen hier gegensteuern, werden von den Factoring-Anbietern jedoch zunehmend kritisch bewertet. 58 Prozent sehen verschärfte aufsichtsrechtliche Anforderungen skeptisch. Entlastung zeigt sich dagegen beim Thema Personal: Die Bindung qualifizierter Fachkräfte wird nur noch von 42 Prozent als problematisch eingeschätzt, im Vorjahr waren es mehr als die Hälfte.

Was die Ergebnisse für KMU bedeuten

Die Umfrage des BFM verdeutlicht, dass Factoring sich weiter als stabilisierender Finanzierungsbaustein etabliert. In einem Umfeld von wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheit, erhöhten Ausfallrisiken und zurückhaltender Kreditvergabe gewinnt beständige Liquidität weiter an Bedeutung. Factoring unterstützt bei diesen Anforderungen und entwickelt sich damit unabhängig von rein positiven Konjunkturimpulsen.

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* Quelle:

https://www.bundesverband-factoring.de/kontakt/presse/pressemitteilungen/trotz-schwacher-konjunktur-und-hoher-insolvenzen-factoring-branche-waechst-weiter